50 Jahre Consolan - Wetterschutz-Farben

Farbe ist immer auch ein Spiegelbild der Gesellschaft. 1960 kam mit Consolan-S eine der ersten Holzdeckfarben auf den Markt. An diesem Farbtypus zeigen sich einige Entwicklungen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Holzschutz ist so alt wie der Baustoff Holz. Schon in der Bibel wies Gott Noah an, seine Arche
innen und außen mit Pech abzudichten (Genesis, 6,13-14). Und die Ägypter zum Beispiel ölten ihr Holz mit Myrrhe und Weihrauch.
Den modernen Holzschutz, wie wir ihn heute kennen, entwickelte sich seit Ende des 19. Jahrhunderts; in großen Schritten seit den 1950er Jahren. Das Wirtschaftswunder boomte, das Land befand sich nach dem Krieg im Aufbruch. Die kriegsgeplagte Bevölkerung sehnte sich nach Idylle und Ruhe. Kleingartenanlagen mit Holzhäuschen entstanden, die Bauern sanierten ihre Gehöfte. Überall wurde gebaut und restauriert. Die Farben-/Lack-Industrie unterstützte die Aktivitäten mit Innovationen. Dünnschichtige Holzschutzlasuren kamen auf den Markt, neue Bindemitteltechnologien verbesserten die Lackqualität. Seit Ende der 1950er Jahre forschte man an Farben, die sich für nicht maßhaltige und begrenzt maßhaltige Bauteile eigneten. Diese Farbe musste elastisch sein, damit sie die Quell- und Schwindbewegung des Holzes mitmachen konnte. Und sie musste diffusionsoffen sein, da Holz Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt. Die bisherigen deckenden Anstrichsysteme waren dies nicht und platzten ab oder rissen. 1960 war es dann soweit, die erste Holzdeckfarbe, die diese Ansprüche erfüllte, kam auf den Markt. Das System setzte sich in den 1960er Jahren schnell durch und fand viele Nachahmer.

1970er Jahre – Das Denkmal wird entdeckt

Die 1970er Jahre standen im Zeichen des Denkmalschutzes. 1975 wurde das europäische Denkmalschutzjahr ausgerufen. Der damalige Bundespräsident Walter Scheel meinte, „in Deutschland ist nach dem Krieg mehr Schutzwürdiges zerstört worden als während des Krieges.“ Historische Holzkonstruktionen, insbesondere das Fachwerk, bekamen einen neuen Stellenwert. Altes wurde plötzlich als schützenswert, als Teil unseres gesellschaftlichen Erbes betrachtet. Wissenschaft und Handwerk beschäftigten sich intensiv mit historischen Bauweisen, mit Möglichkeiten deren Sanierung und Renovierung.

Im Zuge dieser Auseinandersetzung mit dem Fachwerk stellte sich heraus, dass in früheren Zeiten die Balken farbig gestaltet waren. Bis dahin ging man davon aus, dass die Balken einst nicht behandelt oder farblos geölt wurden. Plötzlich wurden Holzdeckfarben, die bis dato eher für Gartenhäuser, Zäune und Scheunen verwendet wurden, für das Fachwerk entdeckt. Durch die Möglichkeit des Farbtonmischens konnten historische Farbbefunde exakt rekonstruiert werden. Fachwerk wurde wieder farbig. Zusätzlich zeichneten sich die wässrigen Dispersionen durch eine sehr gute Wasserdampfdurchlässigkeit aus - ein wichtiger Vorteil. Denn durch die Fugen zwischen Holzstrebe und Gefache tritt durch Schlagregen immer wieder Feuchtigkeit in das Holz ein. Dieses Wasser muss entweichen können, sonst fault das Holz.

Umweltschutz und Wetterschutz – die 1980er Jahre
In den 1980er Jahren war Umweltschutz das große Thema. Die Partei der Grünen zog in den Bundestag, Schlagworte wie Waldsterben und saurer Regen geisterten durch die Medienlandschaft. Die Öffentlichkeit wurde sensibler in puncto Umweltverträglichkeit. Die Industrie und das Malerhandwerk reagierten. Signets wie der Blaue Engel gewannen an Bedeutung. Im Holzschutz trennte man nun zwischen chemischen und physikalischen Holzschutzmitteln, die frei von Bioziden waren. Um den Unterschied schon im Namen zu verdeutlichen, wurde vom Marktführer Consolan der Begriff Wetterschutz eingeführt, der seither synonym für den physikalischen Holzschutz eingesetzt wird.

Individualisierung seit der Wende
Nach der Wende, 1989, bestand ein riesiger Sanierungsbedarf in den neuen Bundesländern. Viele Holzbauteile standen vor dem Verfall. Neben den fälligen Sanierungsarbeiten wurde auch großer Wert auf die dekorative Gestaltung der historischen Gebäude gelegt. Die damals 30 Jahre alte Wetterschutz-Farbe erlebte eine dritte Renaissance.
Das vergangene Jahrzehnt zeichnet sich durch einen Trend zur Individualität aus. Im Hausbau verwirklichen Menschen nicht nur ihren Traum vom eigenen Zuhause, sondern auch ihre Persönlichkeit. Dabei spielt Holz als flexibler, organischer Baustoff eine immer größere Rolle; mittlerweile liegt laut Informationsdienstholz die Holzbauquote bei 14,5 % (Stand 2007). Der Wunsch nach Individualität kommt auch in der Wahl des Farbtons zum Ausdruck. Einzigartigkeit ist gefragt. Eine 50 Jahre alte Erfindung bleibt weiterhin modern.